Batang Ai: Wilde Orang Utans, selbstgebrannter Schnaps & Barbecue am Wasserfall

Um ein echtes, einzigartiges und vor allem aufregendes Dschungelerlebnis zu haben, musste ich erst mal nach Borneo fliegen. Ich wusste von Anfang an, dass ich während meiner Borneo Reise im Dschungel übernachten möchte. Und das auf möglichst authentische Art und Weise. Begegnet bin ich am Ende unheimlich liebenswürdigen Menschen, wilden Orang Utans und allerhand Krabbeltieren.

Der Reise Markt boomt auch auf Borneo und somit habe ich im Vorfeld schon erfahren, dass es viele Touren gibt, die sehr touristisch angehaucht sind und vor allem eines nicht erfüllen: das wahre Abenteuer. Und um dieser touristische Kulisse zu entgehen habe ich weiter recherchiert. Denn nichts wäre schlimmer für mich als ein gespieltes Erlebnis.

Borneo Batang Ai

 

Batang Ai – ein grünes Paradies im nirgendwo Sarawaks

Am Ende bin ich auf den Nationalpark Batang Ai gestoßen. Dieser liegt an der Grenze zum indonesischen Teil Borneos. Von Kuching, der Hauptstadt Sarawaks sind es ungefähr 400 km mit dem Auto und danach mit dem Boot. Batang Ai bei sehr naturbelassen und wird noch von der indigenen Bevölkerung bewohnt. Der Nationalpark von Batang Ai umfasst einen riesigen See und viele kleine Flüsse die vom See auslaufen. Und eben an diesen Flüssen leben die Völker noch auf irrtümliche Art und Weise.

Meine Tour nach Batang Ai

Die Gegend rund um Batang Ai auf eigene Faust zu erkunden, ist nahezu unmöglich. Das einzige was für jeden Touristen hier zugänglich ist, ist ein Resort direkt am See gelegen. Will man aber weiter in den Dschungel, muss man sich einen Guide suchen der einen führt. Die Fahrt durch die kleinen Flussarme ist nicht einfach, denn es gibt hier relativ viele Tücken die einem das Leben schwer machen können. Außerdem leben viele Orang Utans an den Flussläufen leben und sich bedroht fühlen wenn sie Menschen sehen. Hört sich abenteuerlich an, oder?

Ich habe die Tour mit Borneo Adventures gemacht und bin zusammen mit einem Guide in den Dschungel gefahren. Hier kannst du mehrere Touren buchen und ich habe ich für die drei Tage zwei Nächte Tour entschieden.

Der Trip in den Dschungel beginnt

Morgens um 8:00 Uhr wurde ich von meinem Guide am Hotel abgeholt. Und dann beginnt die wilde Fahrt nach Batang Ai. Dieser soll nun ungefähr 4-6 Stunden dauern, denn die Straßen sind teilweise unbefestigt und holprig. Knapp auf der Hälfte gibt es ein Stopp in dem kleinen Dorf Serian, denn es muss für den Dschungel-Trip noch eingekauft werden.

Traditionellerweise bringt man, den Gastgebern, den Iban, sein eigenes Essen mit. Dieses wird von den Frauen in den Häusern zubereitet. Jeder bringt also soviel mit, wie er für die Tage im Dschungel benötigt. So kaufen wir also Gemüse, Fleisch und ein paar Kleinigkeiten ein.

Nach der Fahrt über die holprigen Schotterpisten ist mir mittlerweile ziemlich übel geworden und ich freue mich darüber, dass es eine Apotheke gibt, in der ich mich mit Reisetabletten versorgen kann. Denn die Reisetabletten habe ich, wie es das Schicksal will, diesmal natürlich nicht dabei.

Von der holprigen Straße auf das klapprige Langboot

Borneo Batang Ai

Die Fahrt führt über matschige Steinpisten, holpriges Terrain und durch unendlich wirkende kleine enge Straßen. Irgendwann kommen wir an, und zwar am riesigen Batang Ai See. Von hier aus geht unsere Fahrt weiter mit einem kleinen Langboot. Langboote sind die traditionelle Fortbewegungsmittel der Bevölkerung. Die Boote liegen ganz flach auf dem Wasser und ermöglichen es so auch in seichten Gewässern zu fahren.

Prinzipiell sitze ich die ganze Zeit auf dem Boden des Bootes. Wirklich komfortabel ist das nicht. Die Fahrt dauert nun ungefähr ein bis zwei Stunden, je nach Pegel des Wassers, bis hin zum Dorf.

Und dann wird es still und ich sehe wilde Orang Utans

Immer halten wir mit dem Boot Ausschau nach Tieren, die wir möglicherweise am Fluss sehen können. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit schwindend gering, doch tatsächlich sehen wir aus heiterem Himmel einen Orang Utan. Wahnsinn!

Ein wilder Orang Utan ist das was ich mir, für meine Borneo Reise am meisten gewünscht habe. Fernab von Reservaten oder von Aufzuchtstation. Zuerst sehen wir einen kleinen Orang Utan, wahrscheinlich ein Kind, das kurz von seiner Mutter alleine gelassen wurde. Er versucht uns mit Stock zu bewerfen und schreit uns förmlich an. Die Orang Utan Beobachtung hier ist nicht grade harmlos, denn es gibt auch größere Tiere, die tatsächliche ganze Äste abreißen und auf die Menschen werfen.

Weiter geht es nun und wir sehen noch ein Orang Utan. Diesmal einen größeren, der sich aber relativ schnell im dicken Geäst wieder versteckt. Unser Guide sagt uns, dass das überhaupt nicht oft vorkommt und wir fühlen uns richtig geehrt diesem Moment.

Spielende Kinder begrüßen uns im Dorf

Borneo Batang Ai

Borneo Batang Ai

Nun kommen wir nach anderthalb Stunden unkomfortabler Bootsfahrt, aber auch mit einem richtigen Hochgefühl im Dorf Nanga Sumpa an. Wir werden empfangen von Kindern die im Wasser baden und spielen, sowie von den Fischern die rund um das Dorf ihre Netze ausgeworfen haben.

Wir übernachten hier im Dorf in einem Langhaus, das extra für Gäste von den Einheimischen aus dem Dorf errichtet wurde. Durch und durch im traditionellen Stil und komplett aus Holz. Alle Zimmer sind mit einer eine Veranda verbunden. Wir befinden uns auf der einen Seite des Flusses und auf der anderen Seite ist das eigentliche Dorf. Unser Guide sagt uns, dass wir uns am Abend beim Dorf Häuptling vorstellen müssen, denn die Kultur der Iban ist zwar sehr gastfreundlich, allerdings möchte der Häuptling immer wissen, wer sich in seinem Dorf aufhält.

Selbstgebrannter Reisschnaps vertreibt die bösen Geister

Borneo Batang Ai

Ich nehmen die Einladung sehr gerne an und wir gehen abends zusammen rüber in das Dorf. Auf der Veranda vom Langhaus spielen Kinder, es laufen Katzen herum und es wird gegessen und gelacht. Wir setzen uns in einen Kreis mit einer Hand voll Bewohner, insgesamt leben hier 60 Menschen in einem Langhaus. Irgendwie verstehen wir uns trotz der Sprachbarriere und es wird mit Hand und Fuß erzählt.

Die meisten Bewohner verstehen kein Wort Englisch und wir wiederum verstehen kein Wort ihrer Sprache. Trotzdem ist es eine lustige Stimmung. Dann wird selbstgebrannter Reisschnaps gereicht, denn dieser vertreibt die bösen Geister, die fremde Menschen eventuell in das Langhaus bringen könnten. Nicht gerade ein kulinarischer Hochgenuss, aber er tut seinen Zweck und wir sind ziemlich schnell benommen. Immer wieder wird uns nach geschenkt und so langsam wird uns richtig schummerig. Zeit für’s Bett!

Wie laut der Dschungel ist? Ohrenbetäubend!

Borneo Batang Ai

Bewaffnet mit unserer Taschenlampe machen wir uns dann wieder auf den Weg zu unserem Zimmer und legen uns ins Bett. Was uns dann erwartet hätten wir nicht gedacht. Dann so weit ab von der Zivilisation ist es verdammt laut. Wir hören den puren Dschungel und der kann verdammt laut sein! Das hätten wir niemals gedacht. Wir schlafen also inmitten der ganzen Geräusche, haben keinen Strom und nur Regenwasser zum Duschen.

Ein bisschen mulmig ist uns schon und so schlafen wir in unserem Bett mit dem übergeworfenen Moskitonetz die ganze Nacht mit einer angeschalteten Taschenlampe. Man kann ja nie wissen was einen erwartet. Schließlich ist der ganze Raum auch nur aus Holz zusammengezimmert und Lücken können alles hereinkommen lassen.

Trekking am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Borneo Batang Ai

Der nächste Morgen weckt uns immer noch mit einer extremen Lautstärke. Wir machen uns nach einem kurzen Frühstück bereit für einen Trek durch den Dschungel. Wir wandern vorbei am Kautschukplantagen und dann wilden Ananas pflanzen. Unser Guide erklärt uns immer wieder, mit welchen Gemüsen oder welchen Pflanzen hier gekocht wird. Teilweise hatten wir das meiste davon auch schon am Abend vorher unserem Essen, als Gewürz.

Unser Trek führt uns ungefähr anderthalb Stunden durch den Dschungel und wir werden von einem Einheimischen mit einem Langboot am Flussufer abgeholt. Die Fahrt weiter und wir fahren mit dem Boot in Richtung eines Wasserfalls inmitten des Dschungels von Batang Ai. Die Fahrt ist sehr abenteuerlich, denn der Wasserpegel ist an dem Tag sehr niedrig.

Und so muss unser “Kapitän” teilweise aussteigen und  das Boot von hinten anschieben. Wir fahren komplett ohne Motorkraft und nur mit einem langen Bambusstab als Antrieb. Die Fahrt ist sehr entspannend und wir lernen die Natur erstmal so richtig kennen ohne das Geräusch des knatternden Motors.

Unser altertümliches Barbecue am Wasserfall

Borneo Batang Ai

Angekommen Wasserfall gehen wir erst mal baden und erschrecken uns ganz schnell. Wir werden ganz oft an den Füßen gezwickt. Im Wasserfall und im Fluss leben ganz viele Knabber-Fische die an den Füßen zwicken, weil sie die Hornhaut abknabbern wollen. Das ist erst mal befremdlich, aber das Wasser ist ein Traum.

Auf der anderen Flussseite bereitet unser Guide mit den Männern vom Dorf unser Mittagessen vor. Auf ganze ursprüngliche Art und Weise. Er hat Fleisch mitgebracht und ein bisschen Gemüse und Reis. Uns wird gezeigt, wie die Einheimischen hier im Dschungel damals gekocht haben. Er legt ein Rost auf ein Feuer und baut sich mit ein bisschen Holz einen provisorischen Grill.

Den Reis gart er in einer Bambusstange, denn damals gab es natürlich noch keine Kochtöpfe. Die Bambusstange wird geschält und der Reis wird in die Stange gestopft, die Stange wird dann ins Feuer gelegt und solange erhitzt, bis sie von außen komplett schwarz. Der Reis ist nun gar. So simpel. Und dann erkenne ich sie auch wieder, die Gewürze die wir während unseres Treks am Morgen gesehen haben. Diese kommen auch zum Einsatz. Mit Fleisch vermischt, wird die Masse ebenfalls in ein Bambusrohr gegeben und im Feuer gegart.

Zeit zum Abschied nehmen

Borneo Batang Ai

Mit einem vollen Bauch machen wir uns nach ein paar Stunden wieder auf den Weg zum Langhaus. Hier haben wir nur noch im bisschen Zeit herumzulaufen und ein bisschen die Gegend zu erkunden und uns mit den wild laufenden Hunden und Katzen zu vergnügen. Die Kinder toben schon wieder im Wasser und insgesamt ist es eine sehr ausgelassene Stimmung.

Borneo Batang Ai

Dann heißt es leider schon abschied nehmen, denn wir werden die nächste Nacht im Aiman Batang Ai Resort verbringen. Das haben wir schon am Anfang unserer kleinen Abenteuerreise gesehen. Es ist zwar schön und sehr komfortabel, allerdings wäre uns nach diesen intensiven Tagen noch eine Nacht im Dschungel lieber gewesen.

Und weißt du was? Es war so ruhig und ohne Geräusche, dass wir beinahe etwas vermisst haben.

Hast du noch Fragen zu Batang Ai?

Habe ich ein für dich wichtiges Thema oder einen wichtigen Tipp für deine Borneo Reise vergessen? Hinterlass mir doch gerne einen Kommentar.

Dieser Artikel ist Teil eine Reihe zu Borneo. Hier findest du weitere Artikel:

Offen und ehrlich: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Borneo Adventures. Für die Recherche habe ich 3 Tage in Batang Ai verbracht. Meine Meinung wird dadurch wie immer, nicht beeinflusst. Ich berichte nur über Orte und Dinge, dich ich wirklich von Herzen empfehlen kann.

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Jessica

Jessica

Hi, schön, dass du hier bist! Ich bin Jessica und habe mein Herz an fremde Kulturen verloren. Mit der Kamera in der Hand erkunde ich die Welt. Ich bin kunstinteressiert, immer unterwegs, süchtig nach Erdnussbutter, guten Burgern, Streetart und Disney-Filmen. Mein Herz habe ich schon lange an meine Heimat - den Ruhrpott, verloren. Begleite mich auf meiner Reise!

2 Kommentare

  • Das klingt nach einem sehr schönen Ausflug. Schade, dass Ihr nur einen vollen Tag dort hattet. Und die Geräusche im nächtlichen Dschungel liebe ich ja! Ich nehme mir immer vor, nicht einzuschlafen, um dem Gezirpe, Gequake und Gesurre zuzuhören. Und meist bin ich dann sofort weg, weil die Geräusche für mich so beruhigend sind 😉

  • Liebe Jessica, welch ein Erlebnis! Die Gedanken und Gefühle während der Nacht im Dschungel kann ich nachfühlen… da sucht man das Abenteuer, das Echte, die Wildnis – und wenn man dann mitten drin ist, mit all den fremden Geräuschen, vielleicht Wind, etwas krabbelndes oder flatterndes… wird es doch irgendwie gruselig! Speziell finde ich, dass dort auch Katzen leben – und zumindest diejenige auf dem Bild sieht super gepflegt aus! Samtpfoten scheinen wirklich die ganze Welt zu erobern. Liebe Grüsse, Miuh

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