Sightseeing Manchester – Wenig erwarten, viel bekommen

Bei Manchester denkt man an Fußball. Hat die Stadt mit Manchester United und Manchester City doch gleich zwei Top-Vereine zu bieten. Und dann ist Manchester noch für eine zweite Sache bekannt: Für die vielen Musikgruppen, die sich hier gegründet haben. Darunter Oasis, Simply Red und Take That. Manche mögen jetzt annehmen, dass das schon alles sei.

Doch weit gefehlt: die ehemals schmuddelige Industriestadt hat sich zum Architektur- und Kulturmekka entwickelt. Mit einer lebendigen, jungen Szene und Preisen, die weit unter denen in London oder Brighton liegen. Hier kommen 5 ultimative Tipps für einen Manchester-Besuch:

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Tipp 1 – Das Szeneviertel „Northern Quarter“

„Immer nach oben schauen“ – wer diesen Rat beherzigt, wird begeistert sein. Denn „oben“ entfaltet die backsteinfarbene Tristesse des Northern Quarters eine eigene Schönheit. Verzieren doch gigantische Wandgemälde die Fronten der ehemaligen Fabriken: Pastellfarbene Veilchen und bunte Singvögel wetteifern mit dem Blau des Himmels.

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Sonnenlicht verleiht der wilden Mischung aus Alt und Jung, Design und Verfall, Stahl, Glas und Ziegel eine freundliche Note. Das Northern Quarter ist ein chaotisches Durcheinander von unterschiedlichen Baustilen und Epochen. Da es in Großbritannien kaum Baubeschränkungen gibt, werden alte Fabrikgebäude mit modernen Designelementen verschönt. Neben abbruchreifen Baracken entstehen Neubauten. Und dazwischen sind überall Pubs und Restaurants.

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Die gut 100.000 Studenten der Stadt versorgen sich hier mit indischem und pakistanischem Essen – das ist schmackhaft und bezahlbar. Legendär sind die Pubs des Viertels, in dem sich die Kreativen der Stadt am Wochenende treffen. Etwa die „Dry“ Bar: Sie wurde 1989 von der Band New Order gegründet und gilt heute als Institution.

Link:

http://www.drybar.co.uk

Tipp 2 – Shopping im Afflecks 

Fernab von Malls und Fußgängerzonen liegt das verrückt-liebenswerte „Afflecks“ im Northern Quarter. Wer die Seele der Stadt sucht, wird sie womöglich an diesem Ort finden. Bereits die Fassade ist ein Kunstwerk: große, silberne Mosaike erinnern an die bekannten Musikgruppen der Stadt. Im Inneren bietet das ehemalige Lagerhaus auf fünf Etagen alte Plattenläden, skurrile Präsente und provokante Mode à la Vivian Westwood.

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Designer verkaufen hier Entwürfe, mit denen sich Promis auf Premieren und Hausfrauen auf Hochzeiten schmücken. In der säkularen Arbeiterstadt ist Shopping Ersatzreligion – behaupten zumindest böse Zungen. Und benennen auch gleich die Prophetin der neuen Religion: Victoria Beckham. Bevor das Ex-Spice-Girl zur bekannten Designerin wurde, lebte sie zusammen mit Fußball-Gatten David in Manchester. Während dieser Zeit wurde sie regelmäßig im „Afflecks“ gesichtet: Auf der Suche nach neuer Abendgarderobe und Inspiration für die eigenen Entwürfe.

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Das „Afflecks“ ist nur ein Beispiel für die moderne Nutzung der historischen Fabrikgebäude. Es lohnt sich stets einen Blick in die ehemaligen Produktionshallen und Lagerhäuser der Baumwollindustrie zu werfen, denn in vielen finden sich heute Museen, Kulturzentren und Künstlerateliers.

Link:

http://www.afflecks.com

Tipp 3 – Friedrich Engels begegnen 

Überraschenderweise stößt man in Manchester an vielen Orten auf deutsche Spuren. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieg hatte die Stadt eine große deutsche Gemeinschaft, die sich besonders in der Musik, Medizin und an den Universitäten hervortat. Heute gibt es eine spezielle Tour, die sich dem deutschen Erbe widmet: die „Germanchestertour“. Im Mittelpunkt der Führung steht ein Mann, der durch Manchester maßgeblich beeinflusst wurde und im Gegenzug der Stadt Identität und Stolz verlieh: Friedrich Engels.

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Engels Vater hatte ihn 1842 nach Manchester geschickt, damit er in der örtlichen Niederlassung der Firma seine kaufmännische Ausbildung abschloss. Aber der bourgeoise Vater hätte den kritischen Denker an keinem unpassenderen Ort schicken können: Manchester galt Mitte des 19. Jahrhunderts als Zentrum des Frühkapitalismus und trug wegen der vielen Baumwoll-Fabriken den Spitznamen „Cottonopolis“. Abertausende Arbeiter schufteten hier unter schrecklichen Bedingungen und lebten in Slums.

Die katastrophalen Lebensumstände der Textilarbeiter sollten Engels Weltanschauung für immer prägen. Zumal er durch seine Freundin, die einer irischen Arbeiterfamilie entstammte, auch privat hautnah mit dem konfrontiert war, was später unter dem Begriff „Manchester-Kapitalismus“ bekannt wurde. Seine Eindrücke schilderte Engels in einem Buch: „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“.

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Das Werk stammt aus dem Jahr 1845 und wird von der UNESCO als „Meisterstück ökologischer Analyse“ gewertet. Auch wenn Manchester sich seit Engels Zeit stark verändert hat, gibt es noch Orte, die genauso aussehen wie früher: etwa Chetham’s – eine wunderschöne, alte Bibliothek, die eng mit Engels verknüpft ist.

Tipp 4 – Die älteste Bibliothek des Landes 

Durch einen schmalen Gang, der links und rechts von hunderten Büchern gesäumt wird, gelangen Besucher in den Lesesaal der Bibliothek. Der alte Holzboden knarrt bei jedem Schritt. Die Wände sind mit dunklem Holz verkleidet. Und über dem ausrangierten Kamin hängt ein großes Ölgemälde. Daneben reich verzierte Wappen – rot und gold bemalt.

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Der herrlich altmodische Ort könnte als Kulisse für Harry Potters Zauberschule Hogwarts dienen. Zwischen jahrhundertealten Büchern pflegte Engels hier in einer Nische zu sitzen und zu arbeiten – gelegentlich auch zusammen mit Karl Marx. Engels Wirkungsort kann heute besichtigt werden und Besucher dürfen just an dem Tisch Platz nehmen, den Engels früher nutzte. Der Eintritt in die Bibliothek ist übrigens kostenlos.

Link:

http://www.visitmanchester.com/things-to-see-and-do/chethams-library-p85071

Tipp 5 – Auf Stadiontour in Old Trafford 

Ganz ohne Fußball geht es in Manchester natürlich nicht. Und Manchester United bietet sehr unterhaltsame Stadion-Touren im Heimatstadion des Vereins an: Glitzernde Pokale. Alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen und ein Meer aus roten Trikots, Schals und Mützen. Bereits der Besuch im Museum des Stadions lässt das Herz eines jedes Fußballfans höher schlagen.

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Richtig euphorisch werden die Besucher dann im Inneren von Old Trafford. Denn bei der Stadiontour dürfen sie ins Herz der Anlage und sogar die Umkleiden der Spieler betreten. Nur das Spielfeld ist bei den Besichtigungen tabu. Doch in ganz besonderen Fällen machen die Mitarbeiter schon einmal eine Ausnahme. Uwe Seeler war eine solche Ausnahme. Er wurde von einem der Guides während einer regulären Tour erkannt und durfte den „heiligen Rasen“ erneut betreten. Während seiner aktiven Zeit hatte er hier so erfolgreich gespielt, dass er selbst in der Fußballstadt Manchester unvergessen ist.

http://www.stadiumguide.com/oldtrafford/

Der Gastbeitrag stammt von Antje Zimmermann. Die Reisejournalistin und Buchautorin betreibt seit Kurzem das Blog www.weltenkundler.com. Im  Weltenkundler erzählt sie neue, frische Geschichten aus NRW, Deutschland und der Welt: Landpartien & Städtetrips, die begeistern!

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Jessica

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Hi, schön, dass du hier bist! Ich bin Jessica und habe mein Herz an fremde Kulturen verloren. Mit der Kamera in der Hand erkunde ich die Welt. Ich bin kunstinteressiert, immer unterwegs, süchtig nach Erdnussbutter, guten Burgern, Streetart und Disney-Filmen. Mein Herz habe ich schon lange an meine Heimat - den Ruhrpott, verloren. Begleite mich auf meiner Reise!

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