Reisen ist … Veränderung!

Reisen ist immer eine Veränderung, das ist klar. Wenn ich meine Comfort-Zone verlasse, dann prasseln die Eindrücke nur so auf mich nieder. Meist muss man gar nicht so weit reisen und andere Umstände oder Kulturen zu entdecken. Eins ist aber immer klar, jede Reise prägt und erweitert den Horizont.

Das Reisen ist neues Entdecken und hat vor allem mein Bewusstsein dafür verändert, welches Privileg wir haben indem wir die Welt entdecken dürfen. Das alles ist nicht selbstverständlich und viele Menschen oder auch Kulturen, haben diese Möglichkeit nicht. Bei meiner letzten Ägypten-Reise ist mir dieses Thema extrem nahe gekommen.

Das hat mich geprägt

Ägypten, ist ein Land welches noch im Umbruch ist. Hier tut sich im Moment einiges und das hat viel mit dem Regierungswechsel zu tun, der noch im vollen Gange ist. Doch dieser Wechsel wirkt sich nicht immer positiv auf die Bevölkerung aus. Die meisten Ägypter, die ich kennengelernt habe arbeiten im Tourismus. Ob Bademeister oder Tauchlehrer, hier gibt es einfach die meisten Jobs.

Arbeiten muss man hier aber definitiv für einen Hungerlohn, der kaum dafür ausreicht die Familie zu ernähren. Viele Hotelangestellte fahren im Jahr nur für wenige Tage zu ihrer Familie nach Hause. Wir würden zum Beispiel gar nicht darüber nachdenken ob wir 200 Kilometer mit dem Bus fahren können um endlich unser neugeborenes Kind zu sehen. Doch diese Menschen müssen dies leider tun.

Reisen ist Veränderung
Es lohnt sich auch mal genauer hinzuschauen und nicht immer nur in die schillernde Pauschalurlauber-Welt.

Reisen ist auch mal ein Blick hinter die Fassaden

Früh gehen die Söhne hier in fremde Städte und erleben einen Kulturschock, wenn sie mit den Touristenmassen in Berührung kommen. Die arabische Kultur ist sehr zurückhaltend und ehrt zum Beispiel die Frau in höchsten Maßen. In den Hotelanlagen werden die Angestellten mit den merkwürdigsten Situationen konfrontiert und es wird erwartet, dass diese adäquat damit umgehen.

Doch ohne viel Erfahrung (man muss bedenken, dass viele erst 17 Jahre alt sind), ist das schwierig. Wir müssen also auch dafür Sorge tragen uns anzupassen.

Aber trotz all der Schattenseiten, wie Immobilien-Verlust oder polizeiliche Willkür, sind die Ägypter doch sehr nett und zuvorkommend. Viele die ich kennengelernt habe, würden auch noch ihr letztes Hemd mit dir teilen. Das ist unter den gegebenen Umständen auf jeden Fall nicht selbstverständlich.

Bin ich der typische Urlauber?

Ich war schon oft in Ägypten immer zwischen 2 und 3 Wochen und habe immer in Hotels gewohnt. Hier habe ich viele neue Gesichter kennengelernt und hatte des Öfteren die Möglichkeit auch mal tiefgehend mit den Einheimischen zu unterhalten. Dazu muss ich allerdings noch sagen, dass ich nicht der typische Tourist in dem Sinne bin.

Ich lasse mich nicht so gerne von vorne bis hinten bedienen. Dabei habe ich wahrscheinlich eine andere Einstellung gegenüber fremden Kulturen als manche Pauschalurlauber. Ich lasse mich nicht stundenlang in der Sonne brutzeln und lebe nur zwischen den Mahlzeiten. Ich will leben und entdecken.

Für mich ist es wichtig bei meinen Reisen die Kultur kennenzulernen und ein wenig nach dieser zu leben. Ich habe absolut kein Verständnis für Touristen die sind partout nicht anpassen wollen und sich in folge dessen daneben benehmen. Muss es denn in arabischen Ländern unbedingt westliches Essen geben? Ich für meine Wenigkeit, habe im Urlaub auch noch nie Schweinebraten, Rotkohl und Knödel vermisst.

Reisen ist Veränderung
Das Leben ist schön! Ein Cocktail am Strand, eine entspannende Massage … Das kann man alles vergessen! Oder nicht?

Reisen ist lernen.

Ich sehe meine Reisen nicht als eine Lektion, sondern als einen andauernden Prozess der immer im vollen Gange ist. Ich bin ein Mensch der neugierig ist. So habe ich auch gerne ein offenes Ohr für Menschen die ich kennenlerne. Das ist meiner Meinung nach wichtig. Ich möchte nicht nur Reiseführer lesen und ein Experten-Wissen für ein Land haben. Nein, mich interessiert auch der wichtigste Aspekt: die Menschen und deren Kultur.

Was mir bewusst wurde

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir reisen dürfen. Viele Länder und Regierungen erlauben es ihren Bürgern gar nicht auszureisen. So auch z. B. in Ägypten. Beim Antrag des Visums fließt viel Geld, das meiste unter der Hand. Am Ende gibt es dann in 95 % der Fälletrotzdem eine Absage. Ein langwieriger Prozess der viele Nerven und auch Geld kostet.

Wir schauen im Internet nach Reisen und packen kurz darauf unsere Koffer. Wir machen uns keine Gedanken ob wir das jetzt umsonst machen oder ob wir das überhaupt dürfen. Beim Reisen schiebt uns keiner einen Riegel vor.

Reisen ist Veränderung
Fakt ist: Wir hinterlassen überall unsere Spuren, nehmen aber auch immer einen Teil mit.

Reisen ist geben statt nur nehmen.

Am besten wollen wir alles. Doch andere haben fast gar nichts. Hinter den Fassaden der netten Hotelangestellten versteckt sich meist nur Leere. Denn alle wissen, machen sie einen Fehler, dann steht der nächste Angestellte in den Startlöchern. Ich finde wir als Reisende haben die Aufgabe auch mal etwas von uns wiederzugeben. Das muss nicht unbedingt Geld sein.

Auf meinen Reisen habe ich gemerkt, dass auch Kleinigkeiten eine große Wirkung haben. Du hast doch bestimmt etwas im Gepäck, das völlig deplatziert ist und nicht benutzt wird. Jemand anderes wird sich darüber freuen. So haben wir auch schon mal eine Jeanshose verschenkt, denn jemand anderes konnte diese mehr gebrauchen als wir.

Reisen kann das Bewusstsein für kleine Dinge unheimlich erweitern. Doch der wichtigste Punkt sollte immer sein: Denke nicht nur an dich. Das wir Reisen und uns keine Steine in den Weg gelegt werden, ist nicht selbstverständlich. Mein Beispiel lässt sich mit Sicherheit noch auf dutzende andere Länder anwenden.

Meine Bitte an dich ist also: Werde dir bewusst wie viel Reichtum wir besitzen indem wir reisen dürfen!

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Hat dich ein Ereignis besonders geprägt? Ich freue mich deine Meinung zum Thema Veränderung zu hören!

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Dieser Artikel nimmt an einer Artikelsammlung von Adventureluap zum Thema “Mein nachdenklichstes Erlebnis auf Reisen” teil.

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Jessica

Jessica

Hi, schön, dass du hier bist! Ich bin Jessica und habe mein Herz an fremde Kulturen verloren. Mit der Kamera in der Hand erkunde ich die Welt. Ich bin kunstinteressiert, immer unterwegs, süchtig nach Erdnussbutter, guten Burgern, Streetart und Disney-Filmen. Mein Herz habe ich schon lange an meine Heimat - den Ruhrpott, verloren. Begleite mich auf meiner Reise!

10 Kommentare

  • Liebe Jessica,
    das sind Worte, die mich nachdenklich stimmen. Ich reflektiere wirklich sehr viel, wenn ich unterwegs bin und hinterfrage oft. Viele deiner Punkte versteht man auch erst, wenn man längere Zeit in der Ferne umher gereist ist. Zu sehen, wie andere Menschen leben, ihr Geld verdienen, miteinander kommunizieren, auf was sie Wert legen und wie ihr Alltag aussieht, erweitert unheimlich den Horizont. Automatisch reflektiert man und vergleicht mit der Kultur, in der man aufgewachsen ist.

    Ein wirklich sehr gelungener Arikel!

    Viele Grüße,
    Stefanie

  • Hallo Jessica,
    das ist ein super Beitrag. Ja Reisen sollte man mit allen Sinnen. Man sollte offen sein für das, was einem begegnet. Wenn wir irgendwohin fahren, dann stellen wir uns eben auf das Land ein. Es ist nicht richtig, überall unseren Stempel aufdrücken zu wollen.
    Wir haben im Laufe unserer Reisen schon sehr viel gesehen, aber die Reise auf die Philipinnen war ein Kulturschock, da wir solch eine Armut vorher nie gesehen haben. VierzehnTage brauchten wir, um uns daran zu gewöhnen. Die Reise selbst dauerte drei Wochen, total abseits vom Tourismus. Wir lernten jedoch die Menschen kennen und merkten, dass sie mit dem wenigen, was sie haben, glücklich sind. Erst dann konnten auch wir unseren Urlaub genießen. Seitdem wissen wir, mit wie wenig der Mensch auskommen kann. Inzwischen leben wir im Wohnmobil und alles, was wir haben, ist dort drin. Es ist schön, an den Geschäften vorbeizuschlendern ohne etwas kaufen zu müssen. Man ist wesentlich freier in seinem Tun. Dasselbe passierte uns in Kenia. Auch dort ist die Armut groß, aber die Menschen sind glücklich. Viele unserer mitgebrachten Dinge tauschten wir gegen Souvenire für zu Hause ein. Die Menschen freuen sich über alles, was sie bekommen können, aber in einer sehr bescheidenen Form. Aufdringlichkeit ist in diesen beiden Ländern ein Fremdwort.

    • Von dem Kulturschock auf den Philippinen höre ich nun nich zum ersten Mal. Allerdings gibt es einfach noch zu viele unterentwickelte und vor allem arme Viertel und Länder auf der Welt. Wichtig ist es dabei immer darüber nachzudenken, warum es so ist. generell ist es nicht schlimm solche Viertel zu besuchen, denn der von der genannte Kulturschock kann einem auch unheimlich viel lehren.
      Liebe Grüße
      Jessica

  • Pingback: Blogparade: Was wir auf Reisen fürs Leben lernten
  • Ein super Text. Ja, Reisen bedeutet vor allem immer auch Veränderung und Anpassung. Aber gerade das ist für mich immer eines der schönsten Dinge beim Reisen.

    Es gibt keine bessere Möglichkeit dazu zu lernen als in einer unvertrauten Umgebung. Ich denke, dein Artikel sagt alles über die wichtigsten Aspekte des Reisens.

    Vielen Dank.

  • Pingback: BLOGBUSTER: ÜBER KRABBEN, VERÄNDERUNGEN, WELTENBUMMLER & KELLNER - 7 Kontinente
  • Wow Jessica!
    Ich lese viele Reiseblogs und viele tolle Beiträge, aber nur selten hat ein Beitrag mir so sehr aus dem Herzen gesprochen wie dieser! Es gibt nichts, was ich noch hinzufügen könnte. Einfach Amen und danke!
    Viele Grüsse, Igor

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