Otto, der Fenster-Rentner im Interview

Kinners, ich bin ganz schön aufgeregt. Der Otto Redenkämper hat mir im Zuge der Aktion „Blogger schenken Lesefreunde“ Rede und Antwort gestanden. Und als i-Tüpfelchen schenkt er euch auch noch 2 seiner Bücher. „Dat Leben is kein Trallafitti: Der Fenster-Rentner erklärt die Welt“. Is dat nicht was feines? Mehr dazu erfahrt ihr unten.

Aber jetzt sperrt erst mal eure Lauscher auf und erfahrt, was der liebenswerte Otto so zu sagen hat. So als Fenster-Rentner, weiß der Otto wohl am besten, was typisch Ruhrpott ist, oder? Hört selbst!

 

Otto Redenkämper - Der Fenster-Rentner
Mit Kodderschnauze und Joggingbuxe, erklärt der Fenster-Rentner Otto die Welt, oder besser gesagt, sein Gelsenkirchen.

Is dat Glas in der Regel halb voll oder halb leer?

Ich trink ja lieber Bier und da ist die Pulle immer viel zu schnell halb leer, als mir lieb ist. Aber was meinen Blick auf den Ruhrpott angeht, ist das Glas halb voll. Wir haben hier schon so viel erlebt, der Strukturwandel hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen und bald schließt die letzte Zeche. Aber trotz allem ist es immer irgendwie weitergegangen, weil die Leute zusammengehalten haben und immer das halb volle Glas im Blick hatten.

Otto, wat is für dich der Ruhrpott-Charme?

Der Ruhrpott-Charme ist einzigartig. Diese charmante Ruppigkeit gibt’s sonst nirgends. Letztens noch erlebt, wie eine Omi mit Rollator in einen Kiosk lief und dann stürmt der Kioskbesitzer raus und bölkt „Da isse ja, meine Prinzessin! Hömma, ich dacht du liegst schon unter die Erde, so lang hab ich dich nicht mehr gesehen. Komm, lass dich ma reinhelfen. Wat brauchse denn?“

Wat hat der Ruhrpottler unbedingt im Kühlschrank?

Auf jeden Fall Mett. Ohne frisches Mett geht nix. Dann ne Dose Knackwürstchen und ne Tube Senf für den Notfall. Und wer das Glück hat, mit ner waschechten Ruhrpottollen verheiratet zu sein, der wird nie aufhören, sich über den Anblick von gekühlten Frikadellen vom Vortag zu freuen. Na ja gut und so zwei bis fünf Pils in der Kühlschranktür sind natürlich auch nie verkehrt.

Otto Redenkämper - Der Fenster-Rentner

Is Currywurst für dich dat „Pott-Essen“ schlechthin?

Nicht nur das „Pott-Essen“, sondern das „Welt-Essen“. Die Currywurst ist quasi wie die Vereinten Nationen, nur eben im Darm. An der Currywurstbude trifft sich jeder, egal wo er herkommt, wie er aussieht, wie viel Kohle er hat oder wie alt er ist. Vor der Currywurst sind alle Menschen gleich. Die Currywurst ist der Kitt, der den Ruhrpott zusammenhält. Denn egal, was ist, auf ne Currywurst kann sich jeder mit jedem einigen, sogar Veganer. Denn mittlerweile gibt es die Würste ja auch ohne Fleisch. Wie das funktioniert, kapier ich bis heute nicht.

Wat brauch denn ein Fenster-Rentner für einen richtig knorke Tag?

Kaffee und Leberwurstbrot am Morgen, ordentlich Trallafitti vor meinem Fenster und nachmittags ne Lage Sonne im Schrebergarten. Wenn dann noch Schalke spielt und gewinnt, ist der Tag perfekt.

Jetz ma Butter bei die Fische, aber Otto, bist du der Vorzeige-Ruhrpottler?

Puh, schwere Frage. Den Vorzeige-Ruhrpottler gibt es so ja nicht. Der Ruhrpott empfängt alle, die hier herkommen mit offenen Armen. Aber der Vorzeige Fenster-Rentner, der bin ich schon. Ich bekomm oft Fotos zugeschickt, von Haustieren die irgendwo aus dem Fenster gucken oder Leute fotografieren sich selbst wie sie im Urlaubshotel im Fenster hängen und grüßen mich lieb. Da freu ich mich immer drüber. Also schon allein, dass die Leute in solchen Situationen automatisch an mich denken, schon verrückt.

Is Gelsenkirchen eigentlich die Ruhrpott Metropole schlechthin?

Ja sicha! Hier wird der stimmungsvollste Fußball gespielt, wir haben einen der schönsten Zoos Europas und in unserer Arena geben sich die internationalen Musikstars die Klinke in die Hand. Und auch sonst findest du nirgendwo im Pott so ein mediterranes Flair wie bei uns am Rhein-Herne-Kanal. Wenn an einem Sommerabend in unserm Amphitheater ne gute Kapelle spielt, dahinter fahren die Schiffe lang und du zischt dir ein kühles Pils, dann weißt du, Gelsenkirchen war ist und bleibt ne Legendenstadt.

Otto Redenkämper - Der Fenster-Rentner
Gelsenkirchen, hier fühlt der Otto sich wohl.

Wat is eigentlich so richtig Ruhrpott-Romantik für dich, oder is dat allet killefit?

Von wegen Killefit! Wer einmal auf einer stillgelegten Halde gestanden und die Sonne über dem Pott hat untergehen sehen, der weiß, wie schön es hier ist. Wir haben hier wunderbare Feste, bei denen die Menschen die Region abfeiern ohne Ende. Jeder alteingesessene Kiosk ist für sich allein schon ne Kultveranstaltung. Klar, manches läuft auch hier nicht rund, aber dass sich diese Region nie hat unterkriegen lassen und immer weiter macht und daran glaubt, dass der Ruhrpott eines Tages wieder in altem Glanz erstrahlt, das ist für mich Romantik pur.

Wat is dat außergewöhnlichste und komischste watte im Pott erlebt has?

Außergewöhnlich war mit Sicherheit das Kulturjahr 2010 und da vor allem das Still-Leben. Das musst du dir ma vorstellen, da haben die eine der meistbefahrensten Straßen Europas einfach ma für einen Sonntag stillgelegt und Menschen darauf feiern lassen. Ich weiß gar nicht genau, wie viele Millionen Menschen an dem Tag auf der A40 unterwegs waren, aber es war einmalig.

Die Sonne hat gekachelt ohne Ende und es gab nicht den Hauch von Bambule. Den Tag werde ich wohl nie vergessen, genau so wenig, wie den Tag an dem Schalke mal kurz Meister war. Aber davon fang ich gar nicht erst an…

Das Komischste ist schwierig, hier passieren so viele bekloppte Sachen. Ich erzähl einfach mal die letzte Sache, die ich beobachtet hab. Ich stand in ner Currywurstbude und wartete auf meine Bestellung. Auf einma kam da ein piekfein gekleidetes Ehepaar rein. Der Mann mit Anzug und Krawatte und die Frau mit festlicher Abendgarderobe.

Da sagt der Mann zu seiner Frau „Möchtest du auch was?“ und die „Hau mich bloß ab! Mir juckt die Plauze wie Sau, da ist Schicht im Schacht.“ Und ich stand da mit meiner Joggingbuxe und sag „Du kannst die Leute ausse Pottklamotten kriegen, aber den Pott nicht ausse Leute, wa.“ Und dann haben wir uns kaputt gelacht und zusammen nen schönes Pilsken gezischt.

 

Otto Redenkämper - Der Fenster-Rentner

Otto, der Fenster-Rentner begeistert einfach mit seinen Weisheiten. In seinem Buch, gibbet noch mehr Wissen rund ums Ruhrgebiet und typische Anekdoten. Frei Schnauze und ohne Zensur, so wie es hier im Pott von Herzen kommt! Schau auch mal auf seinem Blog vorbei und halte dich auf dem laufenden.

 

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Hier findest Du die weiteren Artikel über den Ruhrpott.

  1. Landschaftspark Duisburg-Nord – Industriekultur im großen Stil

  2. Industriemuseum Hattingen – Die Henrichshütte

  3. Ruhrpott Deutsch für Anfänger – Der Pott is(st) lecker

  4. Welche Städte gehören zum Ruhrpott

  5. Ruhrgebiets Highlights von Reisebloggern

  6. Was ein Ruhrpottler nicht sagt

  7. 8 Gründe für Urlaub im Ruhrgebiet

  8. Ruhrpott Sprüche die es nur im Pott gibt

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Jessica

Jessica

Hi, schön, dass du hier bist! Ich bin Jessica und habe mein Herz an fremde Kulturen verloren. Mit der Kamera in der Hand erkunde ich die Welt. Ich bin kunstinteressiert, immer unterwegs, süchtig nach Erdnussbutter, guten Burgern, Streetart und Disney-Filmen. Mein Herz habe ich schon lange an meine Heimat - den Ruhrpott, verloren. Begleite mich auf meiner Reise!

5 Kommentare

  • Hey Jessica,
    ich musste bei der Überschrift schon lachen. Das Interview ist einfach super und total interessant. Ursprünglich komme ich aus Sachsen. Direkte Anekdoten aus Chemnitz kann ich nicht erzählen. DIe Bewohner aus der Stadt mit 4 o (Korl Morx Stodt nor) sind sehr einsilbig und bei sich. Jedoch macht das auch irgendwie manchmal auch den Charme aus. *IRONIE* In keiner anderen Stadt habe ich es erlebt, dass Rentner hochschwangere auscheuchen um einen Sitzplatz zu bekommen. Und es gab viele verrückte da. Aber heute vermisse ich immer noch den Mann, der auf der Kreuzung vor meiner Schule „angeln war“

    Liebe Grüße Christin
    P.S. Ich folge dir auch auf FB

  • Hey Jessica, das ist eine super schöne Aktion, das war gewiss ein total interessantes Gespräch mit Otto.
    Wir haben jetzt nicht so richtig eine Anekdote, aber was mich, Claudia, schon öfter gewundert hat, ist, dass die „Ureinwohner“ vieler Landstriche von sich behaupten, unnahbar, störrisch und so zu sein. So zum Beispiel die Ostfriesen, die Emsländer, die Harzer Bergbauern oder auch die Hunsrücker. Ich hab die alle erlebt, habe überall gelebt und hab so tolle, einzigartige Mnschen vorgefunden. Jeder Landstrich hat seine Eigenarten, seine Geschichte, aber deswegen gibt es überall liebenswerte und herzliche Menschen!
    Deine facebook-Seite mögen wir schon lang 🙂
    Liebe Grüße
    Claudia von aktiv-durch-das-leben.de
    (wir haben auf unserer Seite auch eine aktion, schau mal rein http://aktiv-durch-das-leben.de/unser-erstes-mal-blogger-schenken-lesefreude-2016-schau-mal-rein/)

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