Kochkurs in Kuching – Kochen wie die Dayak

 

“Männer und Frauen bereiten nach unserem Glauben an Zusammenhalt ihr Essen immer gemeinsam zu.“, bei diesem Satz hat mich der sympathische Kochlehrer Joseph geködert.

Einen Nachmittag verbringen ich und meine bessere Hälfte nun bei Joseph in der Kochschule in Kuching und lernen richtig authentisch zu kochen. Genauso wie seine Vorfahren und seine Familie die der Bevölkerungsgruppe der Dayak angehören. Das sind die ältesten Einwohner Borneos.

Joseph betreibt seine Kochschule weil er den Leuten seine Kultur näherbringen möchte, und das tut er mit viel Herzblut. Für Fragen nimmt er sich ausgiebig Zeit, kauft mit den Teilnehmer auf einem lokalen Markt ein und kocht dann gemeinsam mit seinen Schülern. Die Gruppen sind dabei nie größer als 8 Personen. Wir haben Glück und sind nur zu zweit beim Kochkurs.

Bumbu Cooking Class – Die Kochschule

Die Kochschule hat das ungewöhnlichste aber auch passendste Setting, welches ich je gesehen habe. Wir kochen inmitten von Antiquitäten und Möbeln aus den Longhouses, der traditionellen Wohnform der Dayak und anderen indigenen Gruppen. Joseph verkauft auch Antiquitäten und zwar nur solche, die auch wirklich mal im Longhouse standen und von den Bewohnern angefertigt wurden.

Gibt es im Longhouse neues Kunsthandwerk, bringt Joseph die alten Möbel in seinen Laden. Jedes Teil hat so eine eigene Geschichte, die er auch gerne erzählt. So verbringen wir nach dem Kochkurs noch sehr lange Zeit im Laden und lassen uns von Joseph mit Begeisterung Geschichten erzählen.

Ein Gang über den Markt

Der Kochkurs beginnt mit dem Besuch eines Marktes etwas weiter außerhalb von Kuching auf dem ausschließlich regionale Lebensmittel verkauft werden. Darauf legt Joseph viel Wert. Es riecht nach frischen Zitrusfrüchten, denn die einheimischen kleinen bitteren Limetten (Kasturi) haben im Moment Saison. Wir kaufen Zutaten für ein Chicken Curry, sowie für ein Gericht mit dem einheimischen Dschungel-Gemüse Midin, einem Farn der in den Mangroven des Dschungels wächst.

Wir streifen durch die kleinen Marktgassen und entdecken allerhand exotisches Obst und Gemüse. An manchen Ständen wird frische Kokosmilch hergestellt und wiederum andere Verkäufer stellen Currypaste nach den eigenen Wünschen her. Die Vielfalt der Zutaten erschlägt uns förmlich.

Warum die Zutaten so heißen wie sie aussehen

Nebenbei erklärt uns Joseph warum die Zutaten die wir kaufen ihren Namen tragen. Die Dayak, haben die Zutaten einfach so benannt, wie sie auch aussehen. Ganz simpel oder?

Die Frucht Soursop, die vom aussehen der Durian ähnelt, wir von den Einheimischen nur Dutch Durian genannt. Warum? In der Kolonialzeit haben viele Niederländer immer wieder gefragt, ob die Frucht die Durian sei. So bürgerte sich der ironische Name Dutch Durian ein.

Die lokalen Bohnen werden „Wing-Bean“ genannt, denn sie haben eine Form die der von Flügeln ähnelt. Die runden kleinen Auberginen die wir kennen werden Eggplant genannt und nicht Aubergine, da die Form eher einem Ei ähnelt.

Voll gepackt mit Zutaten machen wir uns auf den Weg in die Kochschule und lassen den bunten und beeindruckenden Markt hinter uns.

Kochen wie die Dayak

Zurück in der Kochschule geht es nun ans Eingemachte. Wir kochen heute nach alten Familienrezepten von Joseph und seiner Familie. Wir bereiten ein authentisches Chicken Curry und das Gemüse Midin zu. Die Zubereitung wird gerecht zwischen mir und meinem Freund aufgeteilt, denn wenn man zusammen kocht, kann man keinen für den Geschmack verantwortlich machen. Super Idee!

Sarawak Chicken Curry – Rezept der Dayak

Das Fleisch für das Chicken Curry hat Joseph bereits vor unserer Ankunft am frühen Morgen gekauft, denn dann ist es auf dem Markt am frischesten und die Fliegen sind nicht so aktiv. Wir marinieren das Fleisch mit Zucker, Salz und Curry Pulver. Stellen dann mit einem Mörser eine Paste aus Zitronengras, Galangal, Ingwer, Knoblauch und Schalotten her.

Diese Paste wird angeschwitzt und mit Curry Paste, Kartoffeln, Anis und Zimt, sowie Dosenmilch aufgekocht. Dann kommt das Hähnchen dazu. Das Hähnchen hat noch Knochen, denn diese dienen dazu zu erkennen, wann das Fleisch gar ist. Tritt kein Blut mehr aus den Knochen und die Haut zieht sich am Knochen zurück, ist das Fleisch gar.

Midin – typisches Gemüse aus dem Dschungel

Midin ist das Dschungel-Gemüse Borneos schlechthin. An jeder Ecke liest man es auf Speisekarten. Es handelt sich hierbei um einen Farn der in sumpfigen Gebieten wächst. Man unterscheidet unter verschiedenen Reifestufen. Der junge Farn ist knackig und hat viel Geschmack. Der ältere ist weicher und hat eine schleimige Konsistenz. Je nach Geschmack kann man hier wählen.

Wir bereiten junges Midin zu und stellen dazu erstmal eine Paste aus Chilies, Shirmp-Paste, getrockneten Garnelen und Schalotten her. In dieser Paste wird das Gemüse angebraten und bekommt Geschmack.

Der Geschmack von Midin ist schwer zu beschreiben. Es schmeckt nach einen Hauch von grünem Spargel, Spinat und sehr mineralisch. Solltest du die Chance haben in Borneo zu sein musst du Midin unbedingt probieren.

Tako – ein Nachtisch aus Kokosmilch

Die Kokosnuss ist auf Borneo eine der Hauptzutaten für einheimische Gerichte. Für den Nachtisch stellen wir selber eine Kokosmilch aus frischen Kokosraspeln her. Dazu weichen wir die Kokosraspeln in Wasser ein und kneten das ganze. Dann wird die Masse häppchenweise über einem Sieb ausgedrückt. Ganz schön Schweißtreibend für so wenig Milch.

Die Kokosmilch wird dann mit grünem Bohnen Mehl und Zucker aufgekocht und bekommt eine geleeartige Konsistenz. Aus Pandan Blättern haben wir vorher kleine Container hergestellt, in diese Füllen wir die Masse und warten bis diese fest ist.

Typische Würzzutaten

Die einheimische und traditionelle Küche beschränkt sich wirklich nur auf regionale Zutaten. Die Gewürze sind meist sehr aromatisch und werden von Zitronengras, Knoblauch und Pfeffer dominiert. Das sind die Gewürze, die in Sarawak wechsen. Die Kolonialzeit brachte dann außergewöhnlichere Gewürze, wie das Sternanis oder den Zimt auf die Insel.

Oft wird auch mit getrocknetem Fisch gewürzt. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig aber gut dosiert sehr schmackhaft. In Sarawak wird selten scharf gekocht, sondern immer nur mir einem Hauch von Schärfe.

Übrigens: Sarawak ist der Ort für Pfeffer schlechthin. Überall gibt es Farmen und die Pfeffervielfalt ist riesig.

Fazit zu unserem Kochkurs

Wir haben den Morgen mit Joseph wirklich genossen und eine Menge über seine Kultur gelernt. Joseph ist mit sehr viel Herzblut dabei. Man merkt ihm seine Begeisterung an, sein Wissen an andere weiterzugeben. So eine Einstellung überträgt sich dann spielend leicht auf die Teilnehmer, in diesem Fall uns beide.

Die Kochschule von Joseph befindet sich in Kuching, inmitten der in beliebten Carpenter Street, ein paar Minuten von der Waterfront und dem Main Bazar entfernt.

Hier bekommst du mehr Infos zum Kochkurs: http://bumbucookingclass.weebly.com

Hast du noch Fragen zum Kochkurs in Kuching?

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Jessica

Jessica

Hi, schön, dass du hier bist! Ich bin Jessica und habe mein Herz an fremde Kulturen verloren. Mit der Kamera in der Hand erkunde ich die Welt. Ich bin kunstinteressiert, immer unterwegs, süchtig nach Erdnussbutter, guten Burgern, Streetart und Disney-Filmen. Mein Herz habe ich schon lange an meine Heimat - den Ruhrpott, verloren. Begleite mich auf meiner Reise!

18 Kommentare

  • Liebe Jessica,
    was für schöne Essensbilder – ein wirklich interessanter Artikel mit unheimlich vielen Details. Wenn man vor dem Lesen keinen Hunger hatte, hat man ihn sicher jetzt. So wie ich 🙂 Danke für die genaue Recherche!
    Viele Grüße
    Elena

  • Hallo Jessica,
    wow, mit diesem Artikel hast Du mich! Ich gehe gleich mal schauen, was Flüge nach Kuching so kosten… Die Tierwelt und der Dschungel sind sicher auch schön, aber dieser Markt und dann das gemeinsame Kochen und Kosten und Essen. Midin muss ich unbedingt probieren.
    Danke für den mundwässigmachenden Bericht!!!
    Liebe Grüße
    Barbara

  • Hallo Jessica,
    ich liebe es, Kochkurse im Ausland zu machen. So kann man die Kultur des Landes wieder etwas besser kennenlernen. Besonders toll ist es, wenn man vorher zum Markt geht und alles zusammen einkauft.
    Schade nur, daß es hier in Deutschland dann schwierig wird, manche Gerichte nachzukochen, da man einfach nicht alle Zutaten bekommt.
    Lieben Gruß
    Ina

    • Das ist auch eines meiner persönlichen Highlights. Joseph hat uns allerdings Zutaten gennant, die wir austauschen können. Die gibt es dann auch hier zu kaufen.

  • Hallo Jessica, ganz besonders gut gefällt mir, dass ihr vor dem eigentlichen Kochen auf dem Markt wart und ihr so sehr viel über die Zutaten lernen konntet. Alleine schon nur durch deinen Bericht und die Bilder kommt die Begeisterung des Kochlehrers rüber. Ein toller Bericht!
    Herzlichst
    Sabine

  • Hallo Jessica,
    jetzt knurrt mir der Magen. Vielleicht hat Susanne recht und du solltest den Artikel mit einem Warnhinweis versehen. 🙂
    Das hört sich auf jeden Fall sehr interessant und gut an. Wie geil ist es denn, mit einem einheimischen Koch über den Markt zu gehen? Ein wirklich sehr schöner Artikel, der richtig Lust macht, es dir nachzumachen. 🙂

    Viele liebe Grüße
    Kathi

  • Liebe Jessica,
    ein toller Artikel, der die “Warnüberschrift: Nicht vor dem Essen lese” verdient. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
    Ich glaube, ich sollte meine Kochkenntnisse auch mal auffrischen.
    Lieben Gruß, Susanne

  • Hallo Jessica,
    das hört sich ja super an! Man merkt förmlich durch deinen Beitrag mit wie viel Begeisterung und Herzblut Joseph dabei ist. Ich finde es zum Beispiel gut, dass nur regionale Produkte den Weg in den Kochtopf finden und die Namensgebung ist schon sehr lustig. Da habt ihr auf jeden Fall einen tollen Kochlehrer gefunden.
    Viele Grüße,
    Kuno

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